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Luigi Pirandello – Eine kurze Biografie


⏱ Tempo di lettura: 4 min

Evokative Darstellung von Luigi Pirandellos Leben und seinen sizilianischen Ursprüngen. Grafische Bearbeitung von PirandelloWeb.

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Von Sara Maria Collura — Eine kurze Biografie Luigi Pirandellos: ein wesentlicher Überblick über das Leben und das Werk eines der bedeutendsten Vertreter der Literatur des 20. Jahrhunderts, von seiner sizilianischen Herkunft bis zum Nobelpreis, zwischen Identitätskrise, Humorismus und Erneuerung des Theaters.

Pirandello auf Deutsch

Luigi Pirandello

Eine kurze Biografie

Originaltext: Sara Maria Collura, „Luigi Pirandello – Una breve biografia“.
Mit freundlicher Genehmigung der Autorin.
Deutsche Übersetzung und redaktionelle Bearbeitung: Redaktion PirandelloWeb.

Als zentrale Gestalt der italienischen Literatur des 20. Jahrhunderts verkörpert Luigi Pirandello die Komplexität des modernen Menschen und die Krise der traditionellen Gewissheiten. Er wurde am 28. Juni 1867 in Agrigent auf Sizilien als Sohn einer wohlhabenden Familie geboren, die eine Schwefelmine besaß, und verbrachte seine Kindheit zwischen Porto Empedocle und Villaseta, in der berühmten „Casina del Caos“, die er selbst gern beschwor, indem er sich als „Sohn des Chaos“ bezeichnete.

Pirandello lebte an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert, zwischen Naturalismus und Dekadentismus. Zunächst erhielt er Privatunterricht, anschließend schloss er seine Gymnasialausbildung in Palermo ab. 1887 zog er nach Rom, um an der Philosophischen Fakultät zu studieren. Nach einer Meinungsverschiedenheit mit einem Dozenten setzte er seine Ausbildung jedoch an der Universität Bonn fort, wo er 1891 sein Studium der Romanischen Philologie mit einer Arbeit über die Mundart von Girgenti abschloss.

Nach seiner Heirat mit Maria Antonietta Portulano kehrte Pirandello dauerhaft nach Rom zurück und begann seine literarische Tätigkeit. 1903 löste die Überflutung der väterlichen Mine eine schwere finanzielle Krise aus, die sein Leben tief prägte. Verschärft wurde sie durch die psychische Erkrankung seiner Frau, die in den folgenden Jahren ihre Unterbringung in einer Heilanstalt notwendig machte.

Die Jahre des Ersten Weltkriegs waren besonders schwer: Sein ältester Sohn Stefano ging an die Front, und die familiäre Lage wurde immer schmerzlicher. Dennoch setzte Pirandello sein intensives und vielseitiges literarisches Schaffen fort, das sich nicht in starre Phasen gliedern lässt, da er gleichzeitig Gedichte, Novellen, Romane, Essays und Theaterstücke schrieb.

Nach seinem lyrischen Debüt mit Mal giocondo im Jahr 1889 wandte sich Pirandello, auch dank der Begegnung mit Luigi Capuana, der Prosa zu. Sein erster Roman, L’esclusa aus dem Jahr 1901, markiert bereits die Abkehr vom traditionellen Verismus und führt jene Mischung aus Tragischem und Komischem ein, die zu einem Kennzeichen seiner Poetik werden sollte.

Der Erfolg kam mit Il fu Mattia Pascal aus dem Jahr 1904, der als der erste große italienische Roman des 20. Jahrhunderts gilt, der endgültig mit der Ideologie des 19. Jahrhunderts brach. Es folgten weitere Romane und ein außerordentlich umfangreiches Novellenschaffen, das in das Projekt der Novelle per un anno einging.

Pirandellos wahre Leidenschaft galt jedoch dem Theater. Nach den ersten Erfolgen mit Pensaci, Giacomino! und Liolà revolutionierte er die Bühne mit Werken wie Sei personaggi in cerca d’autore aus dem Jahr 1921 und Enrico IV und setzte sich damit auch international durch.

1924 trat Pirandello der Faschistischen Partei bei; sein Verhältnis zum Regime blieb jedoch komplex, ohne von Unterordnung geprägt zu sein. 1934 erhielt er den Nobelpreis für Literatur. Er starb am 10. Dezember 1936 während der Dreharbeiten zu einer filmischen Adaption von Il fu Mattia Pascal. Seinem letzten Willen entsprechend wurde seine Asche in der Nähe der Villa del Caos verstreut, jenes symbolträchtigen Ortes seiner Herkunft.

Pirandellos Poetik beruht auf einer relativistischen Auffassung der Wirklichkeit: Das Leben ist ein unaufhörlicher Strom, während jede Form eine Maske ist. Die Identität ist nicht einheitlich, sondern vielfältig, und der Mensch wird, abhängig vom Blick der anderen, zu „einem, keinem und hunderttausend“. Der Humorismus wird so zum kritischen Instrument, mit dem Pirandello die Illusionen der Wirklichkeit und der Gesellschaft entlarvt.

Sara Maria Collura

Vertiefungen auf PirandelloWeb
Von Fausta Samaritani — Eine ausführliche Darstellung von Pirandellos Leben, seiner Familie, seiner literarischen Entwicklung und seines internationalen Erfolgs.
Von Anna Tieppo — Eine Betrachtung über Identität, gesellschaftliche Rollen und die Aktualität der pirandellianischen Figuren.
Von Michael Rössner — Eine kulturwissenschaftliche Untersuchung von Pirandellos Deutschlandaufenthalt und der Entstehung seines Relativismus.
Von Luigi Lunari — Eine praktische Einführung in den Rhythmus von Pirandellos Sprache und in die besondere Logik seiner Figuren.

Pirandello auf Deutsch

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