|
|
|
|
Luigi Pirandello (1867-1936)
Pirandello in Deutschland
|
durch
Deutsches
Pirandello-Zentrum e.V.
Der sizilianische Nobelpreisträger Luigi Pirandello
(1867-1936) ist hierzulande zwar als Klassiker der
Moderne bekannt und sogar in dem Adjektiv "pirandellianisch"
oder "pirandellesk" im - wenigstens intellektuellen -
Sprachgebrauch präsent, er ist aber immer nur sehr
selektiv gelesen worden, einfach deshalb, weil es nie
eine einigermaßen repräsentative Ausgabe seiner Werke in
deutscher Sprache gegeben hat.
Zwar ist das deutsche Theater der Jahre 1924 bis 1930
von einer wahren Pirandello-Mode geprägt, aber die
bezieht sich nur auf den Dramatiker Pirandello, von dem
auch nur die Stücke dieser Periode zur Kenntnis genommen
wurden (nicht das Früh- und nicht das Spätwerk der 30er
Jahre); zwar hat man in den 50er Jahren Pirandello als "Existentialisten
avant la lettre" entdeckt, aber das bezog sich nur auf
den Novellenautor Pirandello, von dem seitdem in
verschiedenen Zusammensetzungen das eine oder andere
Anthologiebändchen sogar die Bahnhofskioske bestückt,
während die verfügbaren Theatertexte nach 1945 sich
immer wieder lediglich auf das von Peter Szondi zum
Spiel vom Ende des Dramas stilisierte Metadrama Sechs
Personen suchen einen Autor beschränkten.
|
|
|
|
Die Romane wurden fast durchgehend ignoriert, sieht man
von einem bescheidenen Erfolg des Mattia Pascal ab. Da
Pirandello aber nicht nur auf dem Theater neue Maßstäbe
gesetzt hat und sein Werk gegenwärtig wieder einmal als
"postmodern avant la lettre" entdeckt wird, schien es
hoch an der Zeit, dem deutschsprachigen Leser endlich
eine einigermaßen vollständige Ausgabe anzubieten.
Sie liegt nun in sechzehn Einzelbänden vor. In diesen
finden sich erstmals sämtliche sieben Romane und eine
umfangreiche Auswahl von Novellen (ca. 150 von insgesamt
ca. 240 Texten) in vier Bänden, dazu Pirandellos
poetologischer Essay „Der Humor“ und natürlich das
gesamte Theater (5 Bände). Ein Band „Nachrichten über
meinen unfreiwilligen Aufenthalt auf der Erde“, in dem
Pirandellos Leben und Werk „zweistimmig“ erzählt wird –
einmal vom Herausgeber, einmal durch für sich selbst
sprechende Beispiele seiner Lyrik und Texte aus Briefen,
Zettelkästen und Tagebüchern sowie nicht ausgeführten
Skizzen - rundet die Ausgabe ab.
Die Romane zeigen Pirandello als Wegbereiter der
Moderne, der den Verismus/Naturalismus sozusagen von
innen heraus überwindet, indem er die Schreibhaltung der
Naturalisten selbst zum Gegenstand der Geschichte macht
und ironisiert (Serafino Gubbio), die Auflösung des Ich
diagnostiziert (Mattia Pascal, Einer, keiner,
hunderttausend), kunst- und filmtheoretische Fragen im
Zeitalter der "technischen Reproduzierbarkeit des
Kunstwerks" in erlebbare Erfahrung umwandelt (Der Mann
seiner Frau, Serafino Gubbio) oder schlicht und einfach
eine naturalistische Grundhaltung konsequent ironisiert,
selbst wenn es um so ernste Fragen wie Emanzipation (Die
Ausgestoßene), Ökologie (Serafino Gubbio) oder Politik
und Gesellschaft (Die Alten und die Jungen) geht.
Die Novellen, oft Keimzellen der Theaterstücke,
radikalisieren diese Tendenz durch die
Pointenorientiertheit dieses Genres noch. Ihre Grundform
ist die Beffa , der Streich der Boccaccio-Novelle; aber
ihn spielen nun nicht mehr listige Intriganten
tölpelhaften Opfern, sondern "das Leben und der Tod" dem
Menschen schlechthin. So werden Pirandellos Figuren
immer wieder zu armseligen Hampelmännern, höhnisch
verlacht von einer Macht, die nach Gottes Tod nicht mehr
zu fassen ist. Zugleich aber verlieren sie für den Leser
die moralischen Konturen, nach denen er sie einordnen
könnte: Begriffe wie Gut und Böse sind sinnlos geworden,
an ihre Stelle tritt so etwas wie eine
allgemein-menschliche Schwäche (im doppelten Wortsinn)
und Ohnmacht, und wer die durchschaut ("wer das Spiel
verstanden hat"), ist allemal noch am besten dran.

Anfangenseite
|
|
|
|
|
Il contenuto di queste pagine proviene,
oltre che da contributi dei nostri
visitatori, anche da altri siti cui abbiamo
estratto quanto di pertinenza, citandone,
ove a conoscenza, fonte e relativo link. In
caso di segnalazione da parte dei
proprietari di tali siti inerente la loro
contrarietà alla pubblicazione su
PirandelloWeb del loro materiale, le pagine
contestate, verranno immediatamente rimosse. |
|